Die Idee ist nicht neu und auch nicht wirklich spektakulär. Jeder kann eines der vielen kostenfreien Wikis benutzen, um sein Leben zu organisieren. Ich persönlich nutze dieses Konzept schon seit mehreren Jahren, mehr oder weniger erfolgreich. Zu meinem Bedauern muss ich gestehen, dass ich es manchmal vernachlässige wichtige Informationen festzuhalten. Langfristig bedeutet dies immer Mehrarbeit. Doch um die persönliche Informationsflut geht es in diesem Artikel überhaupt nicht, es geht vielmehr um die Nutzung eines Wiki für die Erstellung einer Ausarbeitung oder eines Buches.
Vor einem Jahr, als ich an meiner Bachelor Thesis geschrieben habe, konnte ich ein wichtiges Gespräch mit einem Kollegen (J-C) führen. Darin ging es um die Organisation seiner Arbeit. Zu diesem Zeitpunkt musste er einen Artikel für das Java Spektrum verfassen und hatte somit indirekt die gleichen Probleme wie ich. Erschwerend kam bei ihm hinzu, dass er mit einer weiteren Person zusammenarbeiten musste. Sein Vorschlag war ein möglichst lange ein Wiki zu benutzen und erst ganz spät auf das Zielformat zu wechseln.
Eine Ausarbeitung gliedert sich in mehre Phasen, diese sind Ideen sammeln, Referenzen suchen, Gliederung und Struktur festlegen, initialer Entwurf, Verbessern und Korrigieren. Ich möchte hervorheben, dass es sich lohnt bis zum initialen Entwurf alles in einem Wiki zu bearbeiten.
Einige der Argumente sind offensichtlich, andere wiederum etwas subtiler, deswegen möchte ich sie explizit nennen.
- Verlinkung der Informationen - Der Zweck eines Wiki ist es Informationen miteinander in Verbindung zu setzen, so dass Begriffe leicht nachgeschlagen werden können.
- Von überall erreichbar – Es wird nur eine einfache Internet Verbindung mit einem gängigen Browser benötigt.
- Backups und Sicherheitskopien – Durch regelmäßige Sicherheitskopien kann der erreichte Arbeitszustand nicht verloren gehen.
- Parallele Arbeit - Sollte die Arbeit in Kooperation mit anderen Personen stattfinden, ist dies leicht möglich.
- Versionierung - Aktuelle Wikis erlauben den Zugriff auf alte Versionen der Arbeitsergebnisse.
- Alternativen verwalten – Es ist leicht möglich mehrere alternative Ideen parallel zu verfolgen und erst am Schluss eine Entscheidung zu treffen. Das äußert sich in zusätzlichen Seiten im Wiki.
- Medien verwalten - Es ist leicht Bilder, Fotos und Dateien an die entsprechenden Seiten anzuhängen.
- Änderungsvorschläge - Änderungsvorschläge können über die Kommentar-Funktion diskutiert werden.
Natürlich sind die Vorteile verlockend, aber wo liegen die Nachteile eines Wiki?
- Zwischenmedium – Das Wiki ist in der Regel nicht das endgültige Resultat. Meist muss in Word oder LaTeX konvertiert werden, um dann wiederum ein PDF zu erzeugen.
- Drucken – Es ist nicht möglich den Arbeitsumfang in Seiten zu messen oder anderen Personen eine “Kopie” zu geben. Die Seiten sind verlinkt und müssen einzeln navigiert werden.
- Layout - Das Aussehen entspricht nicht dem fertigen Resultat und Bilder können nicht optisch ansprechend angeordnet werden.
Diese beiden Listen bei weitem nicht vollständig, doch dieser Einblick hilft die Konsequenzen der Wiki Nutzung besser abschätzen zu können. Wikis sind hervorragend um Informationen zu organisieren. Sobald ein grober Entwurf erarbeitet wurde, sollte jedoch das Medium gewechselt werden.
Dies kann auf den ersten Blick nach sehr viel Aufwand aussehen, doch ganz so schlimm ist es nicht. Da der Text mit Copy-Paste kopiert werden kann, bleiben nur noch die Bilder, das Layout und die Struktur. Die Bilder müssen sowieso für eine gedruckte 300 dpi Druckversion optimiert werden, somit ist dies kein echter Mehraufwand. Das Layout macht während des Arbeitens mit Word oder LaTeX auch oft Probleme. Diese beiden Argumente können bei einem einmaligen Wechsel vernachlässigt werden.
Ein großer Aufwand muss jedoch in die Struktur fließen, dazu gehört das setzen der Überschriften und Querverweise, das Hervorheben und die Formatierung von Tabellen. Selbst bei mehren hundert Seiten ist dies jedoch überschaubar, da das umformatieren eines fertigen Inhaltes nur wenige Minuten pro Seite benötigt. Es ist bei weitem nicht so langwierig wie das Schreiben. Ein Wechsel kann in wenigen Tagen vollzogen werden. Natürlich wird das synchronisieren von Änderungen schwer, aber vielleicht wird das nicht mehr gebraucht.
Ich werde mein Wiki für meine nächste Arbeit auch ausprobieren und habe schon die nötigen Seiten für das bevorstehende Seminar angelegt.
Übrigens verwendet Martin Fowler auch ein Wiki um seine Bücher und Ideen zu verwalten.
Thank you for Smoking
Wenn ihr einen wirklich guten Film über Rhetorik sucht, dann ist Thank you for Smoking etwas für euch. Obwohl ich mir Filme leidenschaftlich gerne ansehe, habe ich dieses wunderbare Exemplar, das 2005 erschienen ist, übersehen. Letztendlich bin ich glücklicherweise über einen Rhetorik Podcast darauf gestoßen, sodass ich mein Versäumnis nachholen konnte.
Der Film handelt von einem Lobbyisten der Tabakindustrie namens Nick Naylor, der sich mithilfe seiner hervorragenden rhetorischen Fähigkeiten den Weg durch das Leben bahnt. Mehr möchte ich dazu nicht sagen, seht selbst wie gut diese Handlung umgesetzt wurde.
Ich gebe dem Film 9 von 10 Punkten.
Der oben genannte Podcast der Berkeley University lohnt sich übrigens auch. Bisher habe ich mir zwar nur die ersten beiden Stunden angehört, aber diese waren inspirierend.